10
Aug
2013

Es wird komischer ...

Es war mittlerweile Dienstag geworden und das Wetter war nach wie vor gigantisch. Die Kinder spielten am Meer und wir saßen im Strandkorb.
Schön war, dass die Kids so zufrieden waren, dass man eigentlich den ganzen Tag nichts sagen musste.
Um die Ostseelegende komplett zu machen kaufte ich im Kiosk noch ein paar Fischbrötchen. Diese aßen meine Frau und ich im Strandkorb und die Kinder spielten mit ihren Spritzpistolen am Meer. Als sie anfingen zu streiten rief ihnen meine Frau zu, sie sollen aufhören (sie wollte nicht aufstehen, denn wir hatten ja noch die Brötchen zu essen). Leider fruchtete das nicht besonders und sie gingen dazu über vorbeilaufende Badegäste nass zu spritzen. Also rief ich nochmals kurz zu den Kids, sie sollten damit jetzt aufhören.
Der nächste Ruf kam dann von hinten. Der älterer Herr, der seit Tagen in seinem Sonnenstuhl saß und die Zeitung auswendig lernte bat uns höflich die gebotene Ruhe zu bewahren.
So wortwörtlich hörte sich das in etwa so an: "Ruhe!!! Hier wollen manche Menschen auch Ruhe haben!!! Gehen sie doch zu ihren Kindern, wenn sie etwas von ihnen wollen!!!"
(In so einem etwas militärisch angehauchtem Befehlston)
Mir gingen sofort 1000 Antworten durch den Kopf, die ich aber alle verwarf - man will sich ja nicht auf das Niveau seines Gegenübers begeben. Also sprang ich auf uns schrie: "Jawoll - Herr KaLeun!" und hab ihn ignoriert.
Die Familienhasserin schaltete sich natürlich auch sofort mit ein und meinte schrill: "Da brauchen sie doch nicht so zu schreien - die hören eh nichts." (als ob jemand geschrien hätte...).
In Gedanken erschien mir der Ostseestrand immer mehr wie ein riesiger Friedhof mit Strandkörben als Grabsteine.

Am nächsten Tag machten meine Kinder sich daran die Blumen zu gießen. Wir schmissen also den "Absperrhahn" an und los gings, bis eine Stimme vom Balkon im ersten Stock erschallte: "Das dürfen Sie nicht!"
Was verdammt nach mal darf ich nicht? - "Sie können nicht einfach die Pflanzen gießen!"
Auch die Erklärung, wir wären beauftragt worden, fruchtete kaum.
Ich erwähnte, dass es in Norddeutschland recht kompliziert wäre einfache Dinge zu tun. Darauf meinte die (übrigens auch schon lebensältere) Dame, ich müsse den Schlauch aber beim gießen von links nach rechts umstecken - wegen dem Wassergeld ...


Tags darauf waren wir auf der Passat (einem Viermaster in Travemünde) und kauften zum Abschluss noch zwei Postkarten - leider ohne Briefmarken (die habe ich verbummelt zu bestellen).
Am nächsten Tag wollte ich in einem Kiosk, der neben Brötchen auch Postkarten verkaufte ein paar Briefmarken käuflich erwerben. Die Antwort kam trocken: " Nur wenn Sie auch Postkarten kaufen!". Auf die Antwort ich hätte bereits Postkarten, war die Erwiderung lapidar: "Dann nicht!".
Ich konnte mir nicht verkneifen die Dame ob ihrer Geschäftstüchtigkeit zu beglückwünschen und nahm mir fest vor, hier nie wieder Brötchen zu kaufen.

Es wird komisch ...

Am nächsten Morgen suchte ich den Fahrradkeller um eins der Leihfahrräder zu nehmen - zum Brötchen holen. Ich schloss also mit meinem Wohnungsschlüssel die Tiefgarage auf (eine andere Möglichkeit gibt es nicht). Das Garagentor ging unter Geblinke auf und ich schlenderte in die Garage (den Schlüssel in der Hand) und traf dort auf eine Familie, die mich entgeistert anstarrte. Die Frau fragte mich dann etwas schüchtern: "Sind sie vom Haus?" (Nein, ich laufe gerne durch Tiefgaragen in denen ich nichts zu suchen habe. Vor allem mache ich die immer mit meinem Zauberfinger auf!)
"Ja!". "Dann ists ja gut!".

Unser Nachbar hatte nun eine neue Angst um seine Pflanzen: Er wollte Abreisen und das trockene Wetter machte dem Garten zu schaffen. Er bat uns also die Pflanzen frühs zu gießen.
Um dies bewerkstelligen zu können muss man den Außenwasseranschluss betätigen. Das ist aber gar nicht so einfach in einer solch paranoiden Gesellschaft: Man benötigt nämlich einen Schlüssel um den Hahn zu öffnen (wegen der fiesen Wasserdiebe überall).

Am Strand machten sich die Kids dann daran, die angeschwemmten Glibberquallen zu retten.
Nach einiger Zeit kam eine junge Mama auf meine Frau und warnte uns vor einer "Feuerqualle" die sie hier gesehen habe.
In dem Moment, in dem die Frau weg war, kam die Dame mit der Großfamilienphobie auf uns zu und erklärte in verschwörerischem Ton, dass es hier keine Feuerquallen gäbe und das Gerede der jungen Frau totaler Quatsch wäre.

So langsam fühlte ich mich hier beobachtet!

Aber es ging noch weiter.
Auf einmal kam unser Jüngster trippelnd auf uns zu. An seinen Worten: "Mama! Ich muss biesieeee!!!", konnte man erkennen, das der Weg zur Toilette - 300 Meter weit weg - nicht mehr machbar war. Also sind wir in den Strandhafer zwischen Sand und Strandpromenade. Als er gerade zu pinkeln begann, hörte ich wieder die mittlerweile bekannte schrille, blecherne Stimme hinter mir: "Nein! Das machen Sie nicht! Das geht nicht!"
Dem Zwerg drückte es vor Schreck die Blase zu.
Auf die Frage an sie, was man denn da bei einem kleinen Kind denn anderes machen solle kam leider keine erhellende Antwort der Misanthropin.
Zur Verteidigung muss man natürlich sagen, dass es schon verdammt lang her sein muss, seitdem diese Frau Kind war...

...

Wir also los zum Strand und in unseren Strandkorb. Das Badevolk war bunt gemischt. Nicht so das junge Publikum wie an der Seebrücke, aber durchaus verschieden. Einige Senioren saßen um uns herum und lösten ihre Kreuzworträtsel.
Neben uns war eine freie Fläche (so als ob ein Strandkorb fehlte) allerdings stand mittendrin so ein Holzgitter mit dem man den Strandkorb verschließen kann.
Nach ein paar Minuten kam eine ältere Dame auf mich zu und erläuterte mir im verschwörerischen Ton, dass wir uns von dem Gitter nicht irritieren lassen sollen. Heute wär Sonntag und da kämen immer so viele Großfamilien, die dann alles belagern würden und einem die Ruhe stehlen würden. Natürlich wären wir damit nicht gemeint.
Es ist absolut unbegreiflich warum man Deutschland Familienfreundlichkeit abspricht ...
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