Es ist ja schon recht spät (nicht die Uhrzeit, sondern das Datum). Der Urlaub ist vorbei. Die Familie am Samstag in Hamburg in den Flieger gesetzt und selbst noch in Lübeck gestrandet. Der Alltag hat mich wieder. Revue passiert war dieser Urlaub sehr schön (auch wenn in diesem Blogg nur die Kuriositäten als Monströsitäten dargestellt waren). Neben dem weiten Meer haben wir viel gesehen und viel erlebt. Aber die Menschen in diesem Ort haben mir zu denken gegeben. Nicht das ich ihre Ängste verdamme, aber für den Traum eines gemeinsames Zusammenlebens vieler gleicher Menschen (trotz ihrer Unterschiede) war das ein herber Schlag.
Aber man kann ja von allen Menschen lernen und sei es, wie man nicht werden will.
StephansKleineWelt - 20. Aug, 00:44
Heute war mein erster Arbeitstag in Lübeck. Als ich zurückkam, stapfte mir meine wutentbrannte Gattin entgegen und erzählte mir, was hier heute schon wieder los war:
Meine Frau versuchte am Nachmittag das Fahrrad über die Tiefgarage in den Fahrradkeller zu bugsieren. Während dessen klopfte mein Älterer mit seinem Bambusstock gegen die Aufhängung des Garagentors. Da kam die Dame aus dem ersten Stock wie eine Furie auf den Knaben zu. Mit erhobenem Zeigefinger maßregelte sie ihn aufs schärfste wegen seiner gröbsten Verfehlungen.
Da platzte meiner Gattin der Kragen. Sie klärte die Furie erst einmal darüber auf, wer hier den Erziehungsauftrag innehält und wie es sich mit den mitteleuropäischen Umgangsformen verhält. Daraufhin war erst einmal Ruhe.
StephansKleineWelt - 12. Aug, 21:57
Wir wandern die Strandallee entlang und unterhalten uns. Über die ganzen skurrilen Spießer, die einem hier in diese versnobbten Ort so begegnen. Da hören wir ein lautes Schimpfen hinter uns. Ein garstiges und ungehaltenes Fluchen. Wir drehen uns um und sehen einen alten Zausel auf einem Rad, behängt mit allerlei prall gefüllten alten Plastiktüten. Er beschimpft einen imaginären Gegner, dem er so ziemlich alles an den Hals wünscht.
Keifenderweise eiert er an mir vorbei und ich denke mir: "Endlich mal normale Leute!"
StephansKleineWelt - 12. Aug, 21:43
Wir sind mittlerweile am Samstag angelangt (der 10. August). Das Wetter war nicht mehr so rosig, aber trocken. Also haben wir beschlossen etwas nach Timmendorf zu wandern und in eine Cocktailbar zu gehen.
Meiner Frau fielen vor dem Gehen noch tausend Sachen ein (Toilette, Lippencreme, andere Schuhe, ...). In der Zwischenzeit schnappte sich mein Großer einen kleinen Bambusstock und wanderte durch den Vorgarten. Unter einer großen Eiche stocherte er im Dreck (wohlgemerkt: im Dreck, nicht in irgendwelchen Pflanzen). Da hörte ich auf einem Ohr ein vehementes Klopfen an der Scheibe im ersten Stock und ein Keifen durch verschlossenes Fensterglas.
Der Große (sonst nicht zimperlich) kam ganz verstört zu mir. Auf die Frage was denn los sei, meinte er, die Frau hätte gerufen, er solle die Pflanzen nicht kaputt machen.
Ich habe mir die Misere angesehen und habe gefunden: nichts! Nur Erde und darin ein paar Buchstaben eingeritzt.
Zur Rede stellen konnte man die Alte auch nicht, da sie sich sicherheitshalber nicht am Fenster blicken lies (vielleicht musste sie zum Balkon um dort die Einhaltung des korrekten Wasserumgangs zu überwachen).
StephansKleineWelt - 12. Aug, 20:45
Es war mittlerweile Dienstag geworden und das Wetter war nach wie vor gigantisch. Die Kinder spielten am Meer und wir saßen im Strandkorb.
Schön war, dass die Kids so zufrieden waren, dass man eigentlich den ganzen Tag nichts sagen musste.
Um die Ostseelegende komplett zu machen kaufte ich im Kiosk noch ein paar Fischbrötchen. Diese aßen meine Frau und ich im Strandkorb und die Kinder spielten mit ihren Spritzpistolen am Meer. Als sie anfingen zu streiten rief ihnen meine Frau zu, sie sollen aufhören (sie wollte nicht aufstehen, denn wir hatten ja noch die Brötchen zu essen). Leider fruchtete das nicht besonders und sie gingen dazu über vorbeilaufende Badegäste nass zu spritzen. Also rief ich nochmals kurz zu den Kids, sie sollten damit jetzt aufhören.
Der nächste Ruf kam dann von hinten. Der älterer Herr, der seit Tagen in seinem Sonnenstuhl saß und die Zeitung auswendig lernte bat uns höflich die gebotene Ruhe zu bewahren.
So wortwörtlich hörte sich das in etwa so an: "Ruhe!!! Hier wollen manche Menschen auch Ruhe haben!!! Gehen sie doch zu ihren Kindern, wenn sie etwas von ihnen wollen!!!"
(In so einem etwas militärisch angehauchtem Befehlston)
Mir gingen sofort 1000 Antworten durch den Kopf, die ich aber alle verwarf - man will sich ja nicht auf das Niveau seines Gegenübers begeben. Also sprang ich auf uns schrie: "Jawoll - Herr KaLeun!" und hab ihn ignoriert.
Die Familienhasserin schaltete sich natürlich auch sofort mit ein und meinte schrill: "Da brauchen sie doch nicht so zu schreien - die hören eh nichts." (als ob jemand geschrien hätte...).
In Gedanken erschien mir der Ostseestrand immer mehr wie ein riesiger Friedhof mit Strandkörben als Grabsteine.
Am nächsten Tag machten meine Kinder sich daran die Blumen zu gießen. Wir schmissen also den "Absperrhahn" an und los gings, bis eine Stimme vom Balkon im ersten Stock erschallte: "Das dürfen Sie nicht!"
Was verdammt nach mal darf ich nicht? - "Sie können nicht einfach die Pflanzen gießen!"
Auch die Erklärung, wir wären beauftragt worden, fruchtete kaum.
Ich erwähnte, dass es in Norddeutschland recht kompliziert wäre einfache Dinge zu tun. Darauf meinte die (übrigens auch schon lebensältere) Dame, ich müsse den Schlauch aber beim gießen von links nach rechts umstecken - wegen dem Wassergeld ...
Tags darauf waren wir auf der Passat (einem Viermaster in Travemünde) und kauften zum Abschluss noch zwei Postkarten - leider ohne Briefmarken (die habe ich verbummelt zu bestellen).
Am nächsten Tag wollte ich in einem Kiosk, der neben Brötchen auch Postkarten verkaufte ein paar Briefmarken käuflich erwerben. Die Antwort kam trocken: " Nur wenn Sie auch Postkarten kaufen!". Auf die Antwort ich hätte bereits Postkarten, war die Erwiderung lapidar: "Dann nicht!".
Ich konnte mir nicht verkneifen die Dame ob ihrer Geschäftstüchtigkeit zu beglückwünschen und nahm mir fest vor, hier nie wieder Brötchen zu kaufen.
StephansKleineWelt - 10. Aug, 13:54
Am nächsten Morgen suchte ich den Fahrradkeller um eins der Leihfahrräder zu nehmen - zum Brötchen holen. Ich schloss also mit meinem Wohnungsschlüssel die Tiefgarage auf (eine andere Möglichkeit gibt es nicht). Das Garagentor ging unter Geblinke auf und ich schlenderte in die Garage (den Schlüssel in der Hand) und traf dort auf eine Familie, die mich entgeistert anstarrte. Die Frau fragte mich dann etwas schüchtern: "Sind sie vom Haus?" (Nein, ich laufe gerne durch Tiefgaragen in denen ich nichts zu suchen habe. Vor allem mache ich die immer mit meinem Zauberfinger auf!)
"Ja!". "Dann ists ja gut!".
Unser Nachbar hatte nun eine neue Angst um seine Pflanzen: Er wollte Abreisen und das trockene Wetter machte dem Garten zu schaffen. Er bat uns also die Pflanzen frühs zu gießen.
Um dies bewerkstelligen zu können muss man den Außenwasseranschluss betätigen. Das ist aber gar nicht so einfach in einer solch paranoiden Gesellschaft: Man benötigt nämlich einen Schlüssel um den Hahn zu öffnen (wegen der fiesen Wasserdiebe überall).
Am Strand machten sich die Kids dann daran, die angeschwemmten Glibberquallen zu retten.
Nach einiger Zeit kam eine junge Mama auf meine Frau und warnte uns vor einer "Feuerqualle" die sie hier gesehen habe.
In dem Moment, in dem die Frau weg war, kam die Dame mit der Großfamilienphobie auf uns zu und erklärte in verschwörerischem Ton, dass es hier keine Feuerquallen gäbe und das Gerede der jungen Frau totaler Quatsch wäre.
So langsam fühlte ich mich hier beobachtet!
Aber es ging noch weiter.
Auf einmal kam unser Jüngster trippelnd auf uns zu. An seinen Worten: "Mama! Ich muss biesieeee!!!", konnte man erkennen, das der Weg zur Toilette - 300 Meter weit weg - nicht mehr machbar war. Also sind wir in den Strandhafer zwischen Sand und Strandpromenade. Als er gerade zu pinkeln begann, hörte ich wieder die mittlerweile bekannte schrille, blecherne Stimme hinter mir: "Nein! Das machen Sie nicht! Das geht nicht!"
Dem Zwerg drückte es vor Schreck die Blase zu.
Auf die Frage an sie, was man denn da bei einem kleinen Kind denn anderes machen solle kam leider keine erhellende Antwort der Misanthropin.
Zur Verteidigung muss man natürlich sagen, dass es schon verdammt lang her sein muss, seitdem diese Frau Kind war...
StephansKleineWelt - 10. Aug, 13:37
Wir also los zum Strand und in unseren Strandkorb. Das Badevolk war bunt gemischt. Nicht so das junge Publikum wie an der Seebrücke, aber durchaus verschieden. Einige Senioren saßen um uns herum und lösten ihre Kreuzworträtsel.
Neben uns war eine freie Fläche (so als ob ein Strandkorb fehlte) allerdings stand mittendrin so ein Holzgitter mit dem man den Strandkorb verschließen kann.
Nach ein paar Minuten kam eine ältere Dame auf mich zu und erläuterte mir im verschwörerischen Ton, dass wir uns von dem Gitter nicht irritieren lassen sollen. Heute wär Sonntag und da kämen immer so viele Großfamilien, die dann alles belagern würden und einem die Ruhe stehlen würden. Natürlich wären wir damit nicht gemeint.
Es ist absolut unbegreiflich warum man Deutschland Familienfreundlichkeit abspricht ...
StephansKleineWelt - 10. Aug, 13:24
Moin,
ich möchte hier meine Urlaubserfahrungen am Timmendorfer Strand weitergeben.
Eigentlich wäre ich nie auf die Idee gekommen über einen Familienurlaub einen Blog zu erstellen. Wen interessiert so ein Gewäsch - vor allem über die Ostsee... Nach einigen Tagen widerfuhren mir so viele zwischenmenschliche Begebenheiten, dass ich irgendwie das Bedürfnis hatte das Ganze niederzuschreiben.
Es ist nicht so, dass hier die Wahnsinns-Dinger geschehen sind, aber dennoch ist das Ganze hier eine Milieustudie.
Ich bin kein Soziologe und das ist mein erster Blog - und aufgrund der kuriosen Erkenntnisse geht die Story heute erst ins Netz, obwohl der Urlaub schon am 3. August losging
Also auf geht's!
Zu den Fakten:
Ich bin derzeit beruflich in Lübeck tätig (wohne aber mit meiner Familie in Bayern). Um unseren gemeinsamen Urlaub zu verlängern haben meine Frau und ich beschlossen zwei Wochen Urlaub in T'dorf zu machen. Eine Woche bin ich also hier und eine Woche in Lübeck (wo ich dann nach der Vorlesung nach T'dorf tingle).
Wir, das sind meine Frau, meine zwei Jungs (5 und 7 Jahre) und ich.
Unsere Ferienwohnung ist an der Strandallee. Gebucht über eine größere Agentur. Guter Standard und ein eigenes Juwel deutscher Spießigkeit: ein fest gebuchter Strandkorb.
Wir komme also an, erkunden die Gegend und hauen uns aufs Ohr.
Am nächsten Tag entdecken unsere Kids den Garten. Wir haben die Wohnung im Eck, die zwei Gärten daneben gehören einem älteren Herren. Zwischen Vorgarten und Garten ist ein kleines Gebüsch.
Um die "Rallye" zwischen Garten und Vorgarten überhaupt zu ermöglichen, sind die Kinder durch das Gebüsch gesaust.
Fünf Minuten später sprach uns der freundliche Herr von nebenan an und machte uns klar, dass es hier "Wege" gäbe. Auf meine etwas verdutzte Frage, was er meine, erwiderte er, dass die Kinder "Trampelpfade" im Gebüsch anlegen würden. Das würde das ganze Touristenvolk dazu animieren hier eine Abkürzung zu nehmen.
In tiefem Verständnis für seine Misere haben wir die Jungs gemaßregelt.
Als ich dann nachschaute, auf welchem Wege die Meute zum neu angelegtem Trampelpfad gelangen sollte, entdeckte ich ein schmiedeeisernes Tor, das jedes Eindringen aus der Außenwelt verhindert.
Das tat ich voerst als Einzelerlebnis ab, sollte aber noch eines besseren belehrt werden!
(Aber mehr dazu morgen - die Seeluft macht müde)
StephansKleineWelt - 9. Aug, 23:22